Herzlich Willkommen in Muffendorf!
Nach mehr als einem Vierteljahrhundert ging eine Ära zu Ende. Das Weinhaus blieb nach Corona geschlossen, bevor es Weihnachten 2024 unter neuer Führung und dem Namen "1718" wieder für neue Gastlichkeit öffnete.
1994 hatten Herbert Walt und Wolfgang Schäfer fest an ihren Erfolg geglaubt, als sie in Carl Maria Völzgens Fachwerkhaus einzogen. Dass ihr Lokal schließlich zu einer weit über Muffendorf und Godesberg hinaus bekannten Institution würde, wo Politiker, Schauspieler, Wirtschaftsbosse und genauso Menschen wie Du und ich gemütlich einkehren und schwelgen können – so etwas kann man hoffen, aber es gehört auch eine Menge Durchhaltevermögen und Bewirtungstalent dazu. Da haben sich die beiden wunderbar ergänzt, und so sind es 26 Jahre geworden.
Gemütlich: Das verwinkelte Fachwerkhaus mit acht Tischen, mit offenem Kamin, in dem im Winter das Holz knackt, leise klassische Musik im Hintergrund. Die von Wein überrankte Terrasse: eine traumhafte Sommerinsel. Die ehemalige Schmiede: umgebaut zur Küche, in der Wolfgang Schäfer kulinarische Hochgenüsse schmiedete. Das Weinhäuschen war Schauplatz zahlloser Familienfeiern, Freundschaftstreffen, wichtiger Geschäftsessen und stiller Absprachen. – Auch von manchem Menü zu zweit, bei dem die Frage zur gemeinsamen Zukunft beim Dessert gestellt wurde.
Und so konnte es auch schon einmal richtig lang bzw. morgens früh werden ...
Wer hat nicht den Rehrücken mit Sauerkirschen geliebt? Von den Jakobsmuscheln geschwärmt? Unglaubliche Fischgerichte genossen, bis hin zu Hummer und Flusskrebsen? Die Sauerampfersuppe, den Sauerbraten, die Gänse zur Weihnachtszeit, gekrönt vom verheißungsvollen Klackern des Schneebesens, das dem Gast das Wasser im Mund zusammenlaufen ließ in der Erwartung einer göttlichen Zabaione. Ein Faible hatten die beiden für Hummer, Austern, edle Fische, Champagner und erlesene Weine. Das war auch bei ihren drei Restaurants vor dem Weinhäuschen in Muffendorf so.
Wolfgang ist ein rheinisches Urgestein und „Godesberger Gewächs“, 1950 geboren, in Rüngsdorf zur Schule gegangen, bei Kaisers Kaffee in Mehlem eine Lehre als Lebensmittelkaufmann gemacht. Ab 1968 war er bei Hertie Disponent an der guten Käsetheke. Gleichzeitig servierte er erst im Rüngsdorfer Freibad Schnitzel am laufenden Band und jobbte dann im St. Michael auf der Brunnenallee. Das war die Begegnung mit der Spitzengastronomie, die ihn nicht mehr losließ – gut verkaufen konnte Wolfgang schon immer.
Und dann kam 1971 die Begegnung mit Herbert. Hier hatten sich zwei gefunden, die schließlich bis zu Herberts Tod am 17. Dezember 2018 fast 50 Jahre ihres Lebens miteinander verbringen sollten.
Herbert, der nach seiner Gastronomielehre zehn Jahre lang auf See im Service war und der nicht nur die Liebe zur Kulinarik teilte, sondern auch die Begeisterung für Seereisen mit in die Beziehung brachte. Herbert, der Stille und Stetige im Hintergrund, der Sommelier, der auf den kulinarischen Reisen ins Rheingau, ins Elsass, nach Burgund und in die Champagne die exquisiten Tropfen fand, die dem Weinhaus Muffendorf ebenfalls einen Namen machten.
Ein Traumteam: Wolfgang der Bühnenmann, Herbert der ruhende Pol. Es gehörte dennoch eine ganz dicke Portion Mut dazu, als die beiden, Wolfgang mit 23 Jahren und Herbert mit 33 Jahren, das erste Restaurant aufmachten. Das war 1973 der Gracht-Keller in Liblar. Ein feines Restaurant, exklusiv mit frischem Hummer aus dem Becken. Einzigartig und eine Sensation in ganz Deutschland: Die beiden bekamen Nachwuchs – die Schalentiere im Hummerbecken hatten Junge gekriegt.
Neun Jahre später wurde es die Hostellerie Le Gourmet in Lechenich, weitere sieben Jahre später das Le Gourmet in Köln. Immer war das Erfolgsrezept: Regionale Zutaten, frisch zubereitet und garniert mit viel persönlicher Gastfreundschaft. Der eine Herr des Hauses gab fantastische Weinempfehlungen, der andere Herr des Hauses kochte und kam später selbst zur Unterhaltung an den Tisch. Das war auch in Muffendorf so: Das Weinhäuschen wurde nicht nur für Wolfgang und Herbert, sondern auch für viele Stammgäste ein zuhause.
Anekdoten dazu gibt es viele: Wunderbare Weihnachtsessen, Silvestermenüs und Geburtstagsfeiern. Beerdigungsfeier mit Karnevalsmusik; Wolfgang beim Fassanstich zur Eröffnung der Muffenale wie Franz-Josef Strauß auf dem Oktoberfest; und welche Auftritte: Wolfgang und seine Karnevalskostüme – als Elvis, als Engelchen, Scheich, Bischof und Can-Can-Tänzerin und vieles mehr. Apropos Tanzen: Zwei bekannte Damen sollen in der Blüte ihres Lebens im Weinhaus sogar auf dem Tisch getanzt haben!
Und dann wird auch von einem gehäkelten Männertanga erzählt, von durchtanzten Tango-Nächten auf dem Schiff. Und damit sind wir bei der Geschichte vom „Hahn im Korb“.
(c) Stadtanzeiger Erftstadt 1973
Die Jahre mit den Muffendorfer Witwen sind legendär. Zuerst gingen nur drei mit den beiden Herren auf Kreuzfahrt: Paula Linnemann, Hanna Thalheim, Maria Weißhaar. Schließlich machten sieben Damen mit Wolfgang und Herbert die Meere unsicher: Elisabeth Faust, Ruth Ittenbach, Rosemarie Schrottka und Iris Schürmann fuhren nun auch mit.
So war der Hühnerclub geboren. Sie alle liebten ihren Wolfgang und sind wunderbare Vorbilder für ungebrochene Lebensfreude!
Man traf sich im Laurel, bei Kensiks und schließlich in der Kommende – standesgerecht mit einer Henne auf dem Stammtisch. Manch weitere Dame schloss sich an. Und wenn es in Muffendorf noch weit nach Mitternacht laute Stimmen auf der Hauptstraße gab, dann waren die „Lustigen Witwen“ noch unterwegs: „Hadder kin Bedde zuhus?“ riefen unbescholtene Bürger.
Wir hätten unserem Wolfgang und in Erinnerung an Herbert dem Restaurant Weinhaus ein richtiges Abschiedsfest gegönnt. Das sollte durch die Corona-Pandemie nicht möglich sein. Viele Muffendorfer und Gäste aus dem Umland 😊 werden die herzliche Gastlichkeit schmerzlich vermissen.
Was bleibt, sind die unzähligen schönen Stunden des Genießens mit gutem Essen, gutem Wein und den guten Gesprächen über Gott und die Welt.
Und ein Trost: Wie schön, dass Wolfgang in Muffendorf bleibt, denn das Urgestein gehört einfach hierhin.
Gerlinde Thalheim
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