

Der Muffendorfer Hahn im Korb und das Weihnhaus
Eine Ära ging am 14.11.2025 endgültig zu Ende. Wolfgang Schäfer mit seinem herzhaften Lachen. Mit dem unnachahmlichen, manchmal beißenden Humor. Wolfgang im Mittelpunkt. Mit seinen Anekdoten, die Stimmung in eine Gesellschaft brachten. Wolfgang mit seiner Kochschürze, der liebevoll Besteck und Meißner Porzellan auf dem Tisch arrangiert. Wolfgang auf dem Kreuzfahrtschiff. Wolfgang mit seinem Fahrrad, in letzter Zeit unverdrossen mit Rollator. Wolfgang beim Fassanstich zur Eröffnung der Muffenale wie Franz-Josef Strauß auf dem Oktoberfest. Wolfgang und seine Karnevalskostüme – als Elvis, als Engelchen, Scheich, Bischof und Can-Can-Tänzerin und vieles mehr. Wie viele Bilder ziehen vorüber … Wolfgang, Du Urgestein von Muffendorf wirst uns fehlen!
Gemütlich: Der alte Fachwerkhof aus dem Jahr 1718
Geführt von Wolfgang Schäfer und Herbert Walt, war das Weinhaus in Muffendorf von 1994 an eine weit über Muffendorf und Godesberg hinaus bekannten Institution, wo Politiker, Schauspieler, Wirtschaftsbosse und genauso Menschen wie Du und ich gemütlich einkehren und schwelgen konnten. Mit Durchhaltevermögen und viel Bewirtungstalent ergänzten sich die beiden wunderbar. Nach Corona blieb das Weinhaus geschlossen, bevor es Weihnachten 2024 unter neuer Führung und dem Namen "1718" wieder für neue Gastlichkeit öffnete.
Das verwinkelte Fachwerkhaus mit acht Tischen, mit offenem Kamin, in dem im Winter das Holz knackt, leise klassische Musik im Hintergrund. Die von Wein überrankte Terrasse: eine traumhafte Sommerinsel. Die ehemalige Schmiede: umgebaut zur Küche, in der Wolfgang Schäfer kulinarische Hochgenüsse schmiedete. Das Weinhaus war Schauplatz zahlloser Familienfeiern, Freundschaftstreffen, wichtiger Geschäftsessen und stiller Absprachen. – Auch von manchem Menü zu zweit, bei dem die Frage zur gemeinsamen Zukunft beim Dessert gestellt wurde.
Und so konnte es auch schon einmal richtig lang bzw. morgens früh werden ...
Wer hat nicht den Rehrücken mit Sauerkirschen geliebt? Von den Jakobsmuscheln geschwärmt? Unglaubliche Fischgerichte genossen, bis hin zu Hummer und Flusskrebsen? Die Sauerampfersuppe, den Sauerbraten, die Gänse zur Weihnachtszeit, gekrönt vom verheißungsvollen Klackern des Schneebesens, das dem Gast das Wasser im Mund zusammenlaufen ließ in der Erwartung einer göttlichen Zabaione. Ein Faible hatten die beiden für Hummer, Austern, edle Fische, Champagner und erlesene Weine. Das war auch bei ihren drei Restaurants vor dem Muffendorfer Weinhaus so.
Ein rheinisches Urgestein
Wolfgang war ein „Godesberger Gewächs“, wie er selber sagte. Ein rheinisches Urgestein, 1950 geboren, in Rüngsdorf zur Schule gegangen, bei Kaisers Kaffee in Mehlem eine Lehre als Lebensmittelkaufmann gemacht. Ab 1968 war er bei Hertie Disponent an der guten Käsetheke. Gleichzeitig servierte er erst im Rüngsdorfer Freibad Schnitzel am laufenden Band und jobbte dann abends im St. Michael auf der Brunnenallee. Das war die Begegnung mit der Spitzengastronomie, die ihn nicht mehr losließ – gut präsentieren konnte Wolfgang schon immer.
Und dann kam 1971 die Begegnung mit Herbert. Hier hatten sich zwei gefunden, die schließlich bis zu Herberts Tod am 17. Dezember 2018 fast 50 Jahre ihres Lebens miteinander verbringen sollten. 26 Jahre davon im Weinhaus Muffendorf.
Herbert, der nach seiner Gastronomielehre zehn Jahre lang auf See im Service war und der nicht nur die Liebe zur Kulinarik teilte, sondern auch die Begeisterung für Seereisen mit in die Beziehung brachte. Herbert, der Stille und Stetige im Hintergrund, der Sommelier, der auf den kulinarischen Reisen ins Rheingau, ins Elsass, nach Burgund und in die Champagne die exquisiten Tropfen fand, die dem Weinhaus Muffendorf ebenfalls einen Namen machten.
Die Zeit davor
Ein Traumteam: Wolfgang der Bühnenmann, Herbert der ruhende Pol. Es gehörte dennoch eine ganz dicke Portion Mut dazu, als die beiden, Wolfgang mit 23 Jahren und Herbert mit 33 Jahren, das erste Restaurant aufmachten. Das war 1973 der Gracht-Keller in Liblar. Ein feines Restaurant, exklusiv mit frischem Hummer aus dem Becken. Einzigartig und eine Sensation in ganz Deutschland: Die beiden bekamen Nachwuchs – die Schalentiere im Hummerbecken hatten Junge gekriegt.
Neun Jahre später wurde es die Hostellerie Le Gourmet in Lechenich, weitere sieben Jahre später das Le Gourmet in Köln. Immer war das Erfolgsrezept: Regionale Zutaten, frisch zubereitet und garniert mit viel persönlicher Gastfreundschaft. Der eine Herr des Hauses gab fantastische Weinempfehlungen, der andere Herr des Hauses kochte und kam später selbst zur Unterhaltung an den Tisch. Das war auch in Muffendorf so: Das Weinhäuschen wurde nicht nur für Wolfgang und Herbert, sondern auch für viele Stammgäste ein zu Hause.
Anekdoten dazu gibt es viele: Wunderbare Weihnachtsessen, Silvestermenüs und Geburtstagsfeiern. Beerdigungsfeier mit Karnevalsmusik. Zwei bekannte Damen sollen in der Blüte ihres Lebens im Weinhaus sogar auf dem Tisch getanzt haben! Und dann wird auch von einem gehäkelten Männertanga erzählt und natürlich von durchtanzten Tango-Nächten auf dem Schiff. Und damit sind wir bei der Geschichte vom „Hahn im Korb“.
Und wie wird man nun Hahn im Korb?
Die Jahre mit den Muffendorfer Witwen sind legendär. Zuerst gingen nur drei mit den beiden Herren auf Kreuzfahrt: Paula Linnemann, Hanna Thalheim, Maria Weißhaar. Schließlich machten sieben Damen mit Wolfgang und Herbert die Meere unsicher: Elisabeth Faust, Ruth Ittenbach, Rosemarie Schrottka und Iris Schürmann schlossen sich an.
So war der Hühnerclub geboren. Sie alle liebten ihren Wolfgang und sind wunderbare Vorbilder für ungebrochene Lebensfreude!
Man traf sich im Laurel, bei Kensiks und schließlich in der Kommende – standesgerecht mit einer Henne auf dem Stammtisch. Manch weitere Dame kam dazu. Und wenn es in Muffendorf noch weit nach Mitternacht laute Stimmen auf der Hauptstraße gab, dann waren die „Lustigen Witwen“ noch unterwegs: „Hadder kin Bedde zuhus?“ riefen unbescholtene Bürger.
Davon hat Wolfgang mit seinem unnachahmlichen, manchmal spitzen Humor gern erzählt. Die irdische Ära vom Hahn im Korb und den lustigen Witwen ging am 14. November 2025 zu Ende. Aber wenn das Abendrot über der Wachholderhöhe steht, tröstet mich die Vorstellung: Jetzt werden sie alle wieder Tango tanzen.
Was uns bleibt, sind die unzähligen schönen Stunden des Genießens mit gutem Essen, gutem Wein und den heiteren Gesprächen über Gott und die Welt - auch noch nach der Übergabe des Weinhauses. Und die Erinnerung an einen außergewöhnlichen, mitreißenden Menschen, der sein Leben prall gelebt hat. Ein Muffendorfer Urgestein. Ene joode.
Gerlinde Thalheim
